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Diabetes Wissen

Kann ich mit Typ-2 Diabetes eine Unterzuckerung bekommen?

13.2.2015 von Markus Berndt

Kann ich mit Typ-2 Diabetes eine Unterzuckerung bekommen?

Niedriger Blutzucker mit Typ-2 Diabetes? Das ist durchaus möglich! Menschen mit Typ-2 Diabetes, die bestimmte Medikamente einnehmen, haben ein höheres Risiko eine Unterzuckerung (Hypoglykämie “Hypo”) zu bekommen. Aber keine Sorge, wenn du über die Gründe, Symptome und Behandlung Bescheid weißt, brauchst du keine Angst zu haben!

Im Jahr 2012 wurde unter dem Namen DAWN2 mit 15.000 Teilnehmern die größte Studie dieser Art, zum Thema „Ängste & Bedürfnisse von Diabetikern und deren Angehörigen“ durchgeführt.

Ein Ergebnis stach dabei besonders heraus: Die gravierendsten Ängste haben Menschen mit Diabetes vor einer Hypoglykämie (vor allem in der Nacht), bis zu 69% der Angehörigen teilen diese Sorge.

Die Frage, ob auch eine Unterzuckerung bei Typ-2 Diabetes auftreten kann, lässt sich sehr rasch und einfach beantworten: Ja!

Viel spannender ist jedoch, der Fragestellung nachzugehen, wer davon besonders gefährdet ist und warum.

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Unterzuckerungen nur bei Medikamenten Einnahme?

Aber wie sieht es eigentlich mit der Behauptung aus, dass eine Unterzuckerung bei Typ-2 Diabetes nur Menschen mit Diabetes betrifft, die Medikamente einnehmen?

Und wenn das stimmen sollte, betrifft das wirklich sämtliche orale Antidiabetika?

Nun, da kommen wir der Sache schon näher – aber um dieser provokanten These näherzutreten, sollten wir zuerst hinterfragen, wie es eigentlich bei Menschen ohne Diabetes aussieht. Könnte diese auch eine Hypoglykämie erleiden?

Theoretisch ja, nämlich dann, wenn man sich ohne entsprechende Nahrungszufuhr langanhaltend körperlich betätigt. Darüber hinaus können übrigens auch extremer Stress, sowie Alkoholexzesse, bei gesunden Menschen eine Hypo auslösen.

Das ist jedoch eher selten der Fall, da eine natürliche Gegenregulation des Körpers einsetzt. Er stoppt dann seine Insulinproduktion und aktiviert sein Stress-System.

“Die nicht diabetische (organische) Hypoglykämie ist selten, aber schwierig zu diagnostizieren.”   - aus SCHWEIZERISCHES MEDIZIN-FORUM

Unterzuckerungsgefahr bei Insulin und Sulfonylharnstoffen

Bei einer stattlichen Anzahl von Monsterzähmern sieht das ein wenig anders aus, wobei wie schon erwähnt, dabei kein Unterschied zwischen Typ-1 und Typ-2 besteht. Die gravierende Unterscheidung findet jedoch in der Behandlungsform des Diabetes statt

  • Es gibt diejenigen unter uns, die ihren Zucker durch eine „lifestyle intervention“ in den Griff bekommen haben und somit keine Medikamente benötigen. Deren Gefahr, eine Unterzuckerung zu erleiden, ist genauso (verschwindend) gering wie bei einer Person ohne Diabetes.
  • Beruhigend ist jedoch, dass auch solche, die z.B. „nur“ Medikamente einnehmen, die die körpereigene Neubildung von Zucker in der Leber hemmen und die Kohlenhydrataufnahme im Darm verzögern (z.B. Metformin), eher selten bis nie eine Hypo erleben müssen.
  • Besonders achtgeben sollten allerdings diejenigen, die mit insulinotropen Substanzen (Sulfonylharnstoffe) oder mit Insulin behandelt werden.
  • Erschreckend jedoch, obwohl insulinbedürftige Personen mit Diabetes öfter eine Unterzuckerung erleiden, liegt die Mortalität im Zuge einer Hypoglykämie bei Patienten, die Sulfonylharnstoffe einnehmen, doppelt so hoch! Das mag letztlich auch daran liegen, dass insulinabhängige Personen mit Diabetes vorsichtiger und oft besser auf solche Situationen vorbereitet sind.

Unterzuckerungs-Symptome bei normalen Blutzuckerwerten

Es gibt auch so etwas wie eine Pseudo-Hypoglykämie. Von dieser spricht man, wenn Menschen mit Diabetes infolge ständig zu hoher Blutzuckerwerte bereits bei einem Absinken auf Werte zwischen 100mg/dl - 150mg/dl mit sogenannten adrenergen Symptomen reagieren. Diese kommen zustande, sobald der Körper versucht, Glukose anzuheben, indem er Hormone wie Cortisol und Adrenalin freisetzt.

Info: Von Unterzuckerung spricht man bei Blutzuckerwerten unter 70 mg/dl, allerdings gibt es in diesem Fall keine als fix definierte Schwelle.

Was tun im Fall einer Unterzuckerung?

Ein niedriger Blutzucker kann relativ schnell mit schnell wirksamer Glukose behandelt werden. Wenn bei dir das Risiko für Unterzuckerungen besteht, solltes du immer etwas Süßes bei dir haben. Traubenzucker gibt es zum Beispiel in jeder Apotheke, lässt sich schnell verdauen und bringt deinen Blutzucker zum Ansteigen.

Andere Möglichkeiten sind Fruchtsäfte, reguläre (keine zuckerfreie) Limonade, Süßigkeiten oder andere Kohlenhydrat Quellen. Es ist wichtig, dass für was auch immer du dich entscheidest, wenig Fett oder Balaststoffe enthält, die die Verdauung verlangsamen, was dafür sorgt, dass der Blutzucker langsamer ansteigt.

Generell wird empfohlen, 15-20 Gramm Glukose oder simple Kohlenhydrate zu dir zu nehmen und deinen Blutzucker nach 15 Minuten nochmal zu messen. Solltest du immer noch einen niedrigen Wert haben, das Ganze nochmal wiederholen.

Wenn du häufig Unterzuckerungen hast, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Gemeinsam könnt ihr die Ursache dafür herausfinden und deine Therapie so anpassen, dass es weniger häufig vorkommt.

Was sind die Symptome einer Unterzuckerung? Wie merke ich, dass mein Blutzucker niedrig ist?

Jetzt haben wir viel über niedrigen Blutzucker gesprochen, aber dir noch nicht gesagt, worauf du achten solltest!

Die Anzeichen und Symptome von niedrigem Blutzucker kommen schnell, können sich ganz verschieden zeigen und sogar jedes Mal unterschiedlich sein. Hier haben wir eine Liste mit den wichtigsten Symptomen für dich:

  • Zittern
  • Nervosität oder Angst
  • Schwitzen, Schüttelfrost und Klammheit
  • Gereiztheit oder Ungeduld
  • Verwirrtheit, einschließlich Delirium
  • Herzrasen/schneller Herzschlag
  • Benommenheit oder Schwindel
  • Hunger oder Übelkeit
  • Schläfrigkeit
  • Unscharfes/beeinträchtigtes Sehvermögen
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl der Lippen oder Zunge
  • Kopfschmerzen
  • Schwäche oder Müdigkeit
  • Wut, Sturheit oder Traurigkeit
  • Fehlende Koordination
  • Albträume oder Schreien während des Schlafes
  • Krampfanfälle
  • Bewusstlosigkeit

Wie gesagt, die Symptome können sehr schnell auftreten. Und hast du gesehen, dass ein Symptom zum Beispiel Verwirrtheit ist? Und ein anderes Bewusstlosigkeit? Deshalb ist es besonders wichtig, bei niedrigem Blutzucker schnell zu handeln. Du solltest dem schnell entgegenwirken, damit es nicht zu spät ist und du dir nicht mehr selbst helfen kannst.

Sei aufmerksam, aber hab keine Angst!
Unterzuckerungen können gruselig sein, aber sie müssen nichts sein, wovor du Angst haben musst. Jetzt weißt du ein bisschen mehr darüber, warum sie passieren, worauf du achten solltest und wie du sie behandeln kannst. Mit dem nötigen Wissen und der entsprechenden Vorbereitung kannst du mit der Situation besser umgehen. 

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Markus Berndt

Unternehmensberater für betriebliche Gesundheitsförderung, Gesundheitstrainer und Motivationscoach. Im Mai 2012 wurde bei Markus Typ-2 Diabetes diagnostiziert.

Wie er seitdem erfolgreich sein Diabetes-Monster gezähmt hat, verrät er euch auf dem mySugr Blog und in seinem privaten Blog unter www.diabetesade.com.