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Diabetes Wissen

So ermittelst du den Spritz-Ess-Abstand

30.3.2015 von Ilka Gdanietz

So ermittelst du den Spritz-Ess-Abstand

Kohlenhydrate sind miese Verräter, denn sie gehören zu den Dingen, die einen ziemlich großen Einfluss auf den Blutzucker haben und uns manchmal in den Wahnsinn treiben können.

Einen besonderen Groll auf sie hat man immer dann gern, wenn der Blutzucker nach dem Essen mal wieder nicht da ist, wo er sein sollte. Und da kommt der gute alte Spritz-Ess-Abstand ins Spiel. 

In Zeiten von den heutigen modernen Insulinen ist der Spritz-Ess-Abstand, oder auch kurz SEA genannt, für die meisten ein Wort, das bereits in Vergessenheit geraten und nicht mehr up to date ist. Berechtigt?

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Blutzuckeranstieg nach dem Essen

Blutzuckeranstiege nach dem Essen können ziemlich nervig und frustrierend sein, erst recht wenn der Blutzucker sich auch nach Stunden außerhalb des persönlichen Zielbereichs bewegt. 

Als Faust-Regel gilt: zwei Stunden nach dem Essen sollte der Blutzucker nicht höher als 160mg/dl bzw. 8,9 mmol/l sein. Ist er höher, ist es naheliegend erstmal die üblichen Verdächtigen zu checken:

  • Ist der BE-/ KE- Faktor noch korrekt?
  • Hat meine berechnete Kohlenhydrat-Menge gestimmt?
  • Habe ich ausschließlich schnell anflutende Kohlenhydrate gegessen?
  • Passen die Korrekturfaktoren noch?
  • Stimmt die Basalrate? (eine Basalratentest-Anleitung gibt es hier)

Ist mit den genannten Faktoren alles im Lot, ist es Zeit den SEA in Angriff zu nehmen um dem fiesen Blutzuckeranstieg postprandial (Klugscheißerwort für “nach dem Essen”) den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Das Geheimnis hinter dem Spritz-Ess-Abstand

Für mich persönlich DIE Lösung, auch wenn früher gern behauptet wurde, dass man für kurzwirksame Analoginsuline, keinen Spritz-Ess-Abstand benötigt. Der SEA bezeichnet übrigens die Zeitspanne zwischen Injektion des Bolus-Insulins (Mahlzeiten-Insulins) und dem Essen

Gerade die schnellwirkenden Insuline heutzutage machen es zwar möglich, recht zeitnah vor dem Essen (notfalls auch mal danach) zu spritzen, aber wirkliche Turbo-Insuline sind das trotzdem nicht.

Wer seinen Zucker mittels Glukosesensor (CGM) misst, wird beobachten können, dass trotz kurzwirksamer Analoginsuline der Blutzucker nach dem Essen relativ schnell nach oben schießen kann. Natürlich hängt der Blutzuckeranstieg auch von der Art des Essens ab. Dem kann man allerdings mit einem richtig gewählten Spritz-Ess-Abstand relativ gut entgegen wirken.

Wie groß der SEA sein sollte, muss jeder individuell austesten, denn Aufnahmmegeschwindigkeit von Insulin und Glukose sind bei jedem unterschiedlich. Pah, wäre ja auch zu schön, wenn das Diabetes-Monster bei jedem von uns gleich ticken würde..

Bei einem Ausgangs Zucker im grünen Bereich hat sich bei mir persönlich ein Abstand von 15 Minuten als gute Lösung erwiesen, und ich kann damit einen Anstieg über 150mg/dl (8,3 mmol/l) fast immer vermeiden (kann mit der Art der Nahrung / Kohlenhydrate variieren).

Und wie finde ich den richtigen SEA heraus?

Ausprobieren, beobachten, langsam heran tasten. Tipp: alles genau dokumentieren. Blutzucker, Art der Nahrung, Menge der Nahrung, Kohlenhydrat-Faktor, Insulinmenge... 

Miss deinen Blutzucker am besten direkt vor dem Essen und eine Stunde nach dem Essen. Ist dein Zucker eine Stunde nach dem Essen um 120-200 mg/dl bzw 6,7-11,1 mmol/l höher als vor dem Essen, so spricht alles für einen SEA. Ca. drei Stunden nach dem Essen solltest du wieder +/- 30 mg/dl bzw. 1,7 mmol/l vom Ausgangswert sein.

Liegst du drei bis fünf Stunden (je nach Insulinsorte) nach dem Essen deutlich höher oder niedriger, könnte eine Anpassung des Kohlenhydrat-Faktors erforderlich sein.

Hier nochmal die Fakten in Kürze:

  • Stark ansteigender Blutzucker nach dem Essen → SEA zu kurz, Blutzucker bereits im Anstieg gewesen
  • Stark abfallender Blutzucker nach dem Essen → SEA zu lang, Ausgangs-Blutzucker zu niedrig oder schon im Sinkflug gewesen
  • Blutzucker steigt erst an, fällt dann stark → SEA zu kurz und BE / KE zu hoch berechnet
  • Blutzucker sinkt erst ab, steigt dann stark → SEA zu lang und BE / KE zu niedrig berechnet

Nachteil: der Spritz-Ess-Abstand ist im Alltag leider nicht immer anwendbar und erfordert ein wenig Disziplin. Bei spontanen Snack-Attacken zum Beispiel hilft er nicht wirklich weiter. Auch beim Auswärts-Essen ist er nicht immer ganz einfach anzuwenden. 

Im Restaurant handhabe ich es persönlich so, dass ich nach der Bestellung einen Teil des Insulins spritze, den Rest dann, wenn das Essen auf dem Tisch steht. Als Sicherheit bestelle ich meist noch ein Glas Saft dazu (Falls es mit dem Essen unerwartet laaaaaange dauert).

Zusammenfassend gesagt, ist der Spritz-Ess-Abstand ein super Tipp um fiese Blutzuckerspitzen nach dem Essen zu vermeiden. Um den richtigen Abstand zu finden, gilt das "Trial and Error" Prinzip. Dein betreuendes Diabetes-Team sollte natürlich auch dabei helfen können.

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Ilka Gdanietz

Langzeit-Diabetikerin und Nutella-Freund. Ilka ist bei mySugr für Global Content & Customer Communication zuständig und privat unter www.mein-diabetes-blog.com zu lesen.