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Warum Scott den Tag seiner Diagnose feiert und du es vielleicht auch tun solltest

24.7.2018 von Julia Kral

Warum Scott den Tag seiner Diagnose feiert und du es vielleicht auch tun solltest

Mein Kollege Scott lebt seit 38 Jahren mit Typ-1 Diabetes und verrät, warum er sein “Diaversary” (= Tag seiner Diabetes Diagnose) feiert.

Scott:

Den Tag seiner Diabetesdiagnose zu feiern hört sich blöd an, oder? Warum würde jemand etwas wie die Diagnose einer Krankheit feiern?

Naja, ganz so ist das auch nicht. Ich freue mich natürlich nicht über die Diagnose selbst, aber ich feiere gerne, dass ich auch noch so vielen Jahren noch immer auf mich und meinen Körper achte. Und das ist ja wohl alles andere als einfach, obwohl es manchmal vielleicht so ausschaut.

Ich finde, es ist an der Zeit, dass wir genau das öfter wertschätzen und uns auch ruhig mal selbst loben. 

Ich bin froh, dass ich das Datum meiner Diagnose noch genau weiß. Damals war ich 5 Jahre alt und kann mich nicht wirklich an viel erinnern.

Aber vor einigen Jahren hab ich von der “Lilly Diabetes Journey” erfahren und mich direkt beworben. Die erste Aufgabe der Bewerbung war die genauen Befunde der Erstmanifestation zu finden. Puh, das hat zwar einige Zeit gedauert, aber ich konnte alle meine Befunde von der Erstmanifestation bis ins Erwachsenenalter kopieren.

Zurück in die Vergangenheit

Es hat sich wie eine Zeitreise angefühlt, durch meine alten Befunde zu stöbern. Mittlerweile ist es schon über 10 Jahre her, dass ich mich bei dem Wettbewerb mitgemacht habe, aber ich kann die Angst, die ich damals hatte noch förmlich fühlen, als ich die Befunde geöffnet habe.

Ich war mir wirklich sicher, dass in den Berichten in kalter und klinischer Sprache von einem jungen Mann geschrieben wird, der sich einfach nicht genug bemüht hat. Und genau das Gegenteil ist eingetreten!

Gefunden habe ich eine starke Geschichte von einem Mensch, der mit viel Motivation seine Ärzte auf Trab hielt. Wow!

Das Ganze hat mich 2 Dinge gelehrt:

  1. Es kommt immer auf die Perspektive an
  2. Manchmal ist schwierig für mich, meine innere Ruhe zu bewahren
A certificate and medal for living with diabetes

Wie ein Anker

Am Anfang habe ich es nicht gleich bemerkt, aber meine innere Diabetes-Stimme ist eine der kritischsten und wertendsten Stimmen in meinem Leben. Und Diabetes gibt einem nun mal genug Möglichkeit zu Kritik und Wertung!

Wenn ich nicht aufpasse, kann mich diese Stimme ganz schön runterziehen und ich verfange mich schnell in einer negativen Gedankenspirale.

Möglichkeiten etwas zu ändern

Um meine innere Stimme also ein bisschen zu beruhigen, erinnere ich mich immer wieder daran, dass Diabetes harte Arbeit ist. Auch, wenn ich es die meiste Zeit leicht aussehen lasse. Und dafür hab ich mir Anerkennung verdient.

Realistische Ziele zu setzen ist wichtig. Ich arbeite am Fortschritt - aber nicht an der Perfektion! Und dabei versuche ich nicht zu vergessen, mich selbst für meine Bemühungen zu feiern.

Wie das mit Geburtstagen und vielen anderen Feiertagen so ist, die sind nur 1x pro Jahr. Für meinen “Diaversary” finde ich, ist das nicht genug.. Aber es ist ein guter Zeitpunkt um mal Pause zu machen und ein bisschen zu reflektieren. Dabei darf ein imaginärer “Schulterklopfer” an mich selbst auch nicht fehlen, denn ich gebe mir verdammt viel Mühe auf mich selbst zu schauen!

Und wenn ich in zwei Jahren 40 Jahre Typ-1 Diabetes hinter mir habe, werden meine Frau und ich eine große Party schmeißen. Ihr seid alle eingeladen! Wir werden feiern, dass Diabetes vielleicht manchmal einfach scheiße ist, aber wir uns trotzdem alle Mühe geben, um immer wieder weiterzumachen. Perfekter Grund für eine monstermäßige Party, oder? 

Julia Kral

Julia ist seit 2018 Teil des mySugr Brand & Marketing Teams. Nach ihrem Bachelorabschluss in Health Care Management hat sie in den vergangenen 5 Jahren im Gesundheitswesen und der Diabetesindustrie gearbeitet. Sie lebt selbst mit Typ 1 Diabetes und engagiert sich dafür, das Leben mit Diabetes auch für andere besser zu machen. Auf unserem Blog sind einige Artikel von ihr zu lesen, unter anderem darüber, wie sie ihre Hypoangst überwindet.

In ihrer Freizeit findet man sie meist lesend, die Welt mit ihrem Rucksack bereisend oder bei einer der neuesten Kunstausstellungen in ihrer Heimatstadt Wien.