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Diabetes Wissen

5 Dinge, die du über Time in Range wissen solltest

6.4.2020 von Ilka Gdanietz

5 Dinge, die du über Time in Range wissen solltest

Die Zeit, in der sich dein Blutzucker im Zielbereich befindet, gibt Auskunft über den Erfolg deiner Diabetestherapie. In diesem Artikel erfährst du alles wichtige über diesen Indikator und warum die Time in Range (TIR) den früheren Goldstandard Hba1c in den Schatten stellt.

Solange ich mich erinnern kann, wurde der HbA1c Wert als Richtwert für die Blutzuckereinstellung bemüht. Lag dieser unter 7%, war der Diabetologe zufrieden.

Durch die mittlerweile große Verbreitung der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) gewann ein weiterer Parameter zur Beurteilung der Diabetes Einstellung mehr und mehr an Bedeutung. Die Time in Range, kurz TIR.

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1. Was bedeutet Zeit im Zielbereich?

Die Zeit im Zielbereich oder engl. Time in Range (TIR) gibt prozentual an, wie lange sich dein Glukosewert während eines definierten Zeitraums innerhalb des Zielbereichs befand.

Der Zielbereich kann von Person zu Person variieren, dennoch wird in den meisten offiziellen Empfehlungen von einem Bereich von 70 mg/dl bis 180 mg/dl (3,9-10 mmol/l)  ausgegangen.

Die TIR sagt also in einer Zahl eine Menge darüber aus wie deine Glukosewerte über den Tag oder einen definierten Zeitraum variieren. Man kann die TIR auch als “Stunden im Zielbereich” ausdrücken. So würde eine TIR von 50% bedeuten, dass sich dein Glukosewert 12 Stunden im Zielbereich befand.

2. Warum ist die Zeit im Zielbereich so wichtig?

Im Gegensatz zum HbA1c Wert bietet die Zeit im Zielbereich ein paar entscheidende Vorteile. Der HbA1c stellt “nur“ den durchschnittlichen Glukosewert der letzten 2 bis drei Monate dar. Eine Aussage über die Zeit im Zielbereich ist anhand des HbA1c nicht möglich.

Hier kann die Time in Range punkten, da sie die Hi´s and Low´s, also die zu hohen und zu niedrigen Glukosewerte, die das Leben eines Menschen mit Diabetes nun mal bestimmen, sehr gut abbilden kann.

Hier eine kleine Veranschaulichung dazu:

Time In Range Tabelle

Obwohl alle drei Kandidaten von ihrem Doc einen vermeintlich guten Hb1Ac attestiert bekommen, zeigt die Analyse der Zeiten inner- und außerhalb des Zielbereichs ein anderes Bild im Hinblick auf die Variabilität der Glukosewerte.

Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Denn nicht nur ein dauerhaft erhöhter Blutzucker begünstigt das Risiko für Folgekomplikationen. Mittlerweile geht man davon aus, dass gerade stark schwankende Glukoseverläufe Komplikationen wie eine diabetische Retinopathie oder eine diabetische Nierenkrankheit begünstigen.

3. Zusammenhang zwischen TIR und Risiko für Folgekomplikationen in Studien bestätigt 

Wissenschaftler fanden anhand von Studien heraus, dass zwischen der Time in Range und dem Risiko für die genannten Folgeerkrankungen ein starker Zusammenhang besteht. Zusammenfassend kann man sagen: Je höher die Zeit im Zielbereich ist, desto geringer ist das Risiko an den genannten Folgekomplikationen zu erkranken.

Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, die Time in Range sei gegenüber dem HbA1c der überlegene Indikator für Komplikationen. Die TIR gibt also einen besseren Aufschluss über gefährliche Blutzuckerschwankungen als der HbA1c (siehe Tabelle).

Je niedriger die TIR, desto höher ist die Glukosevariabilität und somit auch die Gefahr für mögliche Folgekomplikationen.

Demgegenüber ist der HbA1c eine indirekte Messung der Glukose im Blut, da sie zum einen abhängig von der Erneuerung der roten Blutkörperchen ist, welche von Mensch zu Mensch variieren kann, und zudem noch durch verschiedene, externe glukoseunabhängige Faktoren beeinflusst werden kann.

Kurze Erinnerung:

Der HbA1c zeigt den prozentualen Anteil des “gezuckerten” roten Blutfarbstoffs am Gesamt-Hämoglobingehalt in deinem Blut. Klingt kompliziert? Einfacher ausgedrückt: der Zucker in deinem Blut haftet sich an dem roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) an, er bekommt quasi einen Zuckerguss. Dieser “Zuckerguss” bleibt dort kleben solange die roten Blutkörperchen “überleben” – das sind im Durchschnitt 8-12 Wochen, kann aber, wie oben erwähnt, von Mensch zu Mensch variieren. 

Das Tolle am Time in Range Wert ist, dass man ihn als Träger eines kontinuierlichen Glukosemonitorings problemlos zu Hause selbst ermitteln kann und dafür nicht wie beim HbA1c Wert zum Arzt oder in ein Labor muss. 

Das macht die TIR zu einem idealen Bestandteil unserer diabetischen Werkzeugkiste. Wie du die Time in Range für die Optimierung deines Diabetes Managements einsetzen kannst, erfährst du weiter unten in diesem Artikel.

4. Was ist der optimale Zielwert der Time in Range?

Meist gilt ein Standard Zielbereich von 70-180 mg/dl (3,9-10 mmol/l) für den es einen Expertenkonsens gibt. Es gibt jedoch Faktoren wie beispielsweise eine Schwangerschaft, eine Unterzuckerungswahrnehmungsstörung oder einige Begleiterkrankungen, die eine individuelle Anpassung des Zielbereich erforderlich machen. Der Zielbereich sollte individuell vom betreuenden Arzt/Ärztin festgelegt werden. Generell sollten Menschen mit Diabetes anstreben soviel Zeit wie möglich im Zielbereich zu sein und dabei niedrige Werte zu vermeiden. Vor allem sollte man darauf achten nicht zu ehrgeizig an das ganze heranzugehen, sondern sich lieber kleine aber erreichbare Ziele zu setzen.

Experten betonen, dass schon eine Erhöhung der Time in Range um 5% ein guter Erfolg ist, da dies unterm Strich eine Stunde im Zielbereich pro Tag bedeutet.

Laut Studien beträgt der Durchschnitt der Time in Range bei Menschen mit Diabetes typischerweise um die 50% bis 60%. Basierend auf den jüngsten Erkenntnissen gaben Forscher auf dem ATTD Kongress 2019 (Advanced Technologies & Treatments for Diabetes) folgende Empfehlungen für Menschen mit Typ1 und Typ2 Diabetes: 

 

  • Mindestens 70% des Tages innerhalb 70 bis 180 mg/dl (3,9-10 mmol/l)
  • Weniger als 4% des Tages unterhalb von 70 mg/dl (3,9 mmol/l)
  • Reduktion der Zeit über 180 mg/dl (10 mmol/l) pro Tag

 

Wie ist die Time in Range bei Menschen ohne Diabetes?

Auch dieser Frage ging die Forschung in einer recht aktuellen Studie auf den Grund. In der Studie wurden Menschen ohne Diabetes für 10 Tage mit CGM Systemen überwacht. 

Ergebnis: 97% Time in Range bei einem Zielbereich von 70 bis 140 mg/dl (3,9-7,8 mmol/l) und einem durchschnittlichen Glukosewert von 99 mg/dl (5,5 mmol/l) und nur geringer Variation.

5. Wie messe ich die Zeit im Zielbereich?

Um deine persönliche Time in Range zu ermitteln, benötigst du deine Glukosedaten, die mit einem Glukosesensor in den letzten 14 Tagen gemessen wurden.

Wenn du ein CGM/FGM System nutzt, brauchst du eigentlich nichts weiter zu tun. Denn die meisten Systeme ermitteln die Zeit im Zielbereich automatisch und stellen dir diese Information entweder auf dem Lesegerät, in der App auf dem Smartphone oder aber in der jeweiligen Auswertungssoftware zur Verfügung.

Da die CGM Systeme rund um die Uhr im Durchschnitt alle 5 Minuten einen Glukosewert ermitteln, bekommst du hier einen konsistenten Stream an Messwerten und dadurch eine gute Basis zur Errechnung der Time in Range.

Mit einem Blutzuckermessgerät gestaltet sich das Unterfangen leider etwas aufwendiger.

Um eine ähnlich konsistente Datenbasis zu erlangen, müsstest du alle 5 Minuten einen Wert per Stich in den Finger ermitteln. Auch nachts.

Kann man machen, ist aber völlig unrealistisch, denn um ein realistisches Ergebnis zu kommen wären, wie bereits erwähnt, extrem viele Messungen nötig. Sollte dich dennoch einmal die Messlust packen, lässt sich die TIR wie folgt berechnen: 

(Werte im Zielbereich/Gesamtmenge der Werte) x 100 = Menge der Werte im Zielbereich in % 

Pro Tipp:

In der mySugr App kannst du dir in den Einstellungen deinen individuellen Zielbereich definieren und im Blutzuckergraphen auf dem Homescreen darstellen lassen. Der von dir definierte Zielbereich ist dabei etwas dunkler hinterlegt. So kannst Du mit einem Blick sehen wie sich der Tag hinsichtlich der Time in Range entwickelt.

Wie nutze ich die Time in Range zur Therapieoptimierung?

Die Time in Range ist ein idealer Überwachungswert für deine Diabetestherapie.

Mit ihr kannst du überprüfen, ob Änderungen, die du an deinen Therapie Parametern vornimmst, den gewünschten Effekt zeigen. Bitte denke daran, dass du Therapie Anpassungen immer vorab mit deinem Diabetes Team besprechen solltest. 

Ein paar mögliche Beispiele:

  • Du merkst, dass dein Kohlenhydratfaktor irgendwie nicht mehr stimmt und passt diesen in Absprache  mit deinem Diabetes Team an. Nach 14 Tagen schaust du auf deine Time in Range und stellst fest, dass diese Änderung einen Anstieg der Time in Range um 3% bewirkt hat.
  • Wenn du Probleme mit hohen Werten nach einer Mahlzeit hast und den Spritz Ess Abstand als Übeltäter im Verdacht hast, kannst du anhand der Time in Range nach einer Woche mit größerem SEA (Spritz Ess Abstand) feststellen ob du auf dem richtigen Weg bist.

Die Time in Range gibt dir bereits nach kurzer Zeit Auskunft darüber, ob deine Bemühungen in die richtige Richtung gehen. Du musst also nicht auf den nächsten Termin beim Arzt warten, um deinem HbA1c-Wert entgegenzufiebern.

Trotzdem gilt es bei Therapieanpassung immer nur an einer Schraube zu drehen und nicht an allen gleichzeitig. Hierbei solltest du strukturiert vorgehen und alle Schritte mit deinem Diabetes Team abstimmen. Nur so kann der Time in Range Wert seine Superpower auch entfalten.

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Ilka Gdanietz

Langzeit-Diabetikerin und Nutella-Freund. Ilka ist bei mySugr für Global Content & Customer Communication zuständig und privat unter www.mein-diabetes-blog.com zu lesen. 

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