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Alltag mit Diabetes

3 Tipps und Tricks zum Umgang mit Pen-Nadeln – und was schief laufen kann

31.5.2016 von Ilka Gdanietz

3 Tipps und Tricks zum Umgang mit Pen-Nadeln – und was schief laufen kann

Es ist ja wie es ist. Als insulinpflichtiger Diabetiker hängt man an der Nadel. Wer nicht mit einer Insulinpumpe ausgestattet ist, kommt nicht drum herum sich mehrmals täglich das lebenswichtige Insulin mit einem Pen oder Spritze unter unter die Haut zu injizieren.

Anfangs erfordert das ein wenig Übung und nicht zuletzt sicher auch in vielen Fällen Überwindung. Bei aller Ernsthaftig- und Notwendigkeit rund um das Thema Spritzen gibt es aber auch ein paar lustige und komische Geschichten. Das zeigen vielen Gespräche die wir mit Ärzten und Beratern führen, zum Beispiel auf Messen und diversen Diabetes-Veranstaltungen. Niemand ist von Anfang an ein wahrer Spritz-Profi und richtiges Spritzen will gelernt sein.

Hier mal ein paar kleine Anekdoten, wie das Spritzen und die Verwendung einer Pen-Nadel nicht ablaufen sollte.

Die Insulin-Kartoffel: Für Kohlenhydrate muss man Insulin spritzen. Wissen wir. Und wir wissen auch, Kartoffeln haben Kohlenhydrate. Sich über die hohen Blutzuckerwerte einer Patientin wundernd, fragte eine Diabetes-Beraterin diese, wie sie denn für zum Beispiel eine Portion Kartoffeln spritzen würde. Die Patientin beschrieb ihre Vorgehensweise Schritt für Schritt. Insulin berechnen, Einheiten am Pen einstellen, und ab mit dem Insulin in die Kartoffel. Denn: “Kartoffeln muss man spritzen”. Oh, und das essen nicht vergessen...

Ab in die Kissen: Ich persönlich habe das Spritzen noch mit einer Orange gelernt, in die ich fleißig Kochsalzlösung injizieren durfte. Mittlerweile gibt es aber “Spritzkissen” oder kleine Gummifiguren zum üben, die der menschlichen Haut etwas ähnlicher sind als so eine harte Orange. Dass diese Kissen aber ausschließlich zu Übungszwecken vorgesehen sind, hatte ein Patient offenbar falsch verstanden. Auch in diesem Fall ein ähnliches Szenario – auf die Bitte einmal zu demonstrieren, wie er denn das Insulin spritze, nahm der Patient das Spritzkissen und hielt es sich, wie die Beraterin es in der Schulung demonstriert hatte, vor den Bauch und spritzte munter das Insulin hinein.

Nadel schleifen: Eine Pen-Nadel verformt sich bereits nach der ersten Nutzung. Dazu aber später mehr in diesem Artikel. Und du kannst dir sicher denken, je öfter man ein und dieselbe Pen-Nadel nutzt, desto stumpfer wird sie und die Injektion natürlich schwerer und schmerzhafter. Umso erstaunter war eine Diabetes-Beraterin als ein Patient in die Praxis kam und fragte, wo man denn die Nadel “nachschleifen” lassen könnte. Nachschleifen? Wieso das? Der Patient wusste offenbar nicht, dass man die Nadel wechseln kann / muss / soll..und spritzte gut 1,5 Jahre ohne Nadelwechsel. Autsch!

Und wie geht das nun richtig?

In der Regel wird Insulin heutzutage mit einem Pen gespritzt. Das sind gewissermaßen Insulinspritzen, “getarnt” als Kugelschreiber oder Füllfederhalter. Damit das Spritzen keine Probleme bereitet und mehr oder weniger in Fleisch und Blut übergeht, gilt es ein paar Tipps und Regeln zu beachten. Fehler beim Spritzen können nämlich dazu führen, dass das Insulin nicht richtig wirkt.

Insulin gehört in das Unterhautfettgewebe und nicht etwa in den Muskel oder gar in eine Vene. In der Fachsprache nennt man das “subkutan”. Das Insulin kann an verschiedene Stellen gespritzt werden. Für schnell wirkende Insuline, wie viele Mahlzeiten-Insuline, wird meist der Bauch gewählt, da das Insulin dort schneller aufgenommen wird. Für lang wirkende Insuline (Basal-Insuline) wird in der Regel der Oberschenkel oder das Gesäß bevorzugt.

1. Die Nadellänge

Mit der freien Hand wird mit Daumen und Zeigefinger eine Hautfalte genommen und die Nadel senkrecht eingestochen, bis sie vollständig in der Haut ist. Bei sehr kurzen Nadeln mit einer Länge von nur 4 oder 5mm ist aber in der Regel keine Hautfalte erforderlich. Kurze Nadeln vermindern zudem erheblich das Risiko auf einen Muskel zu treffen. Wem das schon mal passiert ist, weiß wie schmerzhaft das ist. Generell sagt man heute, dass die Verwendung von kurzen zu langen Nadeln keinen erheblichen Unterschied macht (in Studien erwiesen), da die Hautdicke bei den meisten Menschen, egal ob normalgewichtig oder adipös, gleich ist. Ungefähr zwei Millimeter.

2. Die Art der Nadel

Pen-Nadeln gibt es von diversen Herstellern und es wird ständig daran gearbeitet, die Injektion so einfach, schnell und sanft wie möglich zu machen. BD (Becton Dickinson) zum Beispiel bietet eine Nadel (in 4mm und 5mm erhältlich*) mit einem größeren Innendurchmesser an, die den Insulinfluss verdoppelt und das Insulin schneller abgegeben werden kann (Easy Flow -Technologie). Vorteil: der Injektionsknopf lässt sich leichter drücken. Die Nadeln besitzen außerdem eine spezielle Beschichtung, sodass sie noch leichter unter die Haut zu führen sind. Selbst unsere testwilligen Nicht-Diabetiker im Büro können das bezeugen.

*Probemuster können direkt hier (nur Deutschland) auf der Webseite bestellt werden

BD Easy Flow

3. Der Nadelwechsel

Injektionsnadeln sollten nur 1x verwendet werden, da sich sich bereits nach der ersten Verwendung an der Spitze verformen. Mit dem bloßen Auge kaum sichtbar, unter dem Mikroskop betrachtet lässt sich aber schnell eine gewisse Ähnlichkeit zum Arm von Kapitän Hook erkennen. Wer damit spritzt, wird über kurz oder lang Probleme bekommen und die Injektion wird umso schmerzhafter. In Deutschland werden Pen-Nadeln übrigens im Durchschnitt 4,9x benutzt. Puuuh, stell dir mal vor wie eine solche Nadel unter dem Mikroskop aussieht.

Needle-tip-02-02

 

Übrigens, auch die Spritzstellen sollten regelmäßig gewechselt werden! Klar, jeder hat vermutlich so seine Lieblingsstellen, aber ein regelmäßiger Wechsel ist Voraussetzung dafür, dass das Insulin richtig wirkt und sich keine unschönen Lipodystrophien, kurz Lipos, bilden. Das sind unschöne Gewebeveränderungen und Funktionsstörungen des Fettgewebes unter der Haut im Bereich der Spritzstellen. Umgangssprachlich werden sie auch als Spritzhügel bezeichnet. Am besten du nimmst dir also für jeden Tag und jede Injektion eine andere Stelle vor und natürlich eine neue Nadel.

Ilka Gdanietz

Langzeit-Diabetikerin und Nutella-Freund. Ilka ist bei mySugr für Global Content & Customer Communication zuständig und privat unter www.mein-diabetes-blog.com zu lesen.