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Einfach & präzise – wie wir mit eurer Hilfe den Bolusrechner verbesserten

17.2.2017 von Gabriel Enczmann

Einfach & präzise – wie wir mit eurer Hilfe den Bolusrechner verbesserten

Die Idee hinter einem Bolusrechner ist genial einfach. Aber was tun, wenn die Benutzung zu kompliziert ist? Das, was wir immer tun: Ärmel hochkrempeln, einen Plan austüfteln und die App verbessern.

Der mySugr Bolusrechner empfiehlt dir die passende Insulindosis zu einer Mahlzeit oder Korrektur. Dabei berücksichtigt er deinen aktuellen Blutzucker und das Insulin, welches du in letzter Zeit gespritzt hast. Leider stellten wir ein paar Monate nach dem Launch des ersten Bolusrechners fest, dass viele Benutzer Schwierigkeiten hatten, alle Einstellungen korrekt zu treffen, die für den Bolusrechner aber sehr wichtig sind. Die Support-Anfragen und der Blick in unsere Statistiken zeigten uns: Bei unterschiedlichen Schritten im Set Up stiegen Nutzer aus – Nutzer, denen der Bolusrechner täglich helfen könnte! [caption id="attachment_9500" width="1190"]
Blick auf die Daten. Warum verlieren wir unterwegs Benutzer?
Blick auf die Daten. Warum verlieren wir unterwegs Benutzer?[/caption] Das beste an der Arbeit bei mySugr ist, dass Diabetes-Experten, Programmierer und Designer eng zusammen arbeiten. Gemeinsam suchten wir also Verbesserungsmöglichkeiten. Für mich als Designer sind die Nutzer selbst die wichtigste Informationsquelle. In Usability-Tests lassen wir mySugr-User unsere Designs ausprobieren und beobachten den Erfolg. Nur spürbare Verbesserungen schaffen es danach in die App. Und auf diese Weise verbessern wir mit eurer Hilfe Stück für Stück die mySugr App – ja, das ist manchmal ganz schön aufwändig, lohnt sich aber. Für Version 2 des Bolusrechners galten folgende Prinzipien:

Prinzip 1: Verständliche Sprache

Es ist wie bei dem alten Witz: Weißt du, was Dihydrogenmonooxid ist? Wasser! Einfache Dinge können manchmal echt komplizierte Namen haben, vor allem unter Fachleuten. Das gilt auch für Diabetes. [caption id="attachment_9501" width="1578"]
Unklarer Text — zu viel Text — goldrichtig
Unklarer Text — zu viel Text — goldrichtig[/caption] Im alten Bolusrechner fragten wir zum Beispiel unsere Nutzer ohne ausreichende Erklärung nach dem Kohlenhydrat-Faktor und ernteten oft ratloses Schulterzucken. Im nächsten Entwurf fragten wir: Um die Insulinmenge zu berechnen, muss der Bolusrechner wissen, wie viele Einheiten Insulin du brauchst, um eine Broteinheit zu kompensieren. Aber auch das war noch nicht für alle verständlich. Warum so kompliziert? Schließlich formulierten wir es präzise: Wie viel Insulin spritzt du normalerweise für 1 BE? Das kann fast jeder beantworten!

Prinzip 2: Lieber klar als sexy

Im alten Bolusrechner konnte man für manche Einstellungen Zeitspannen festlegen: [caption id="attachment_9516" width="600"]
mySugr Bolusrechner
Wie funktioniert das?
Wie funktioniert das?[/caption] Was praktisch schien, weil man mit wenigen Zeilen alle Zeitspannen darstellen konnte und alles in ein Kartenstapel-Design passte, erwies sich jedoch als Problem: Nicht jeder Nutzer verstand, wie man Zeitspannen erstellen, nachträglich hinzufügen oder verändern konnte. Deshalb benutzen wir jetzt Standard-Eingabefelder, die aus anderen Apps vertraut sind. Statt freier Zeitspannen zeigen wir für jede halbe Stunde des Tages ein eigenes Feld. Weniger schön, aber dafür verständlicher. Bonus: Ein Blick in die Statistik zeigte uns, dass die meisten Benutzer für den ganzen Tag nur einen Wert wählen. Deshalb zeigen wir zunächst nur ein Eingabefeld. Nur wer möchte, sieht die zeitgenauen Felder.

Prinzip 3: Zeige nur, was wichtig ist

Stell dir den Metzger deines Vertrauens vor (oder, wenn du vegetarisch lebst, den Gemüsehändler). Wenn dich die Herkunft der Lebensmittel interessiert, kannst du den Händler danach fragen.
Scribble Schlachter
Aber wäre es nicht seltsam, wenn er dir ungefragt bei jedem Einkauf die Herkunft herunterbetete, während er die Ware abwiegt und verpackt? So ist es auch mit guten Benutzeroberflächen! Es schafft zwar Vertrauen, wenn Informationen zur Verfügung stehen, aber das heißt noch lange nicht, dass sie alle jederzeit sichtbar sein sollten. Es reicht, wenn sie abrufbar sind. So verbergen wir Informationen zur Bolusberechnung, die man nicht immer braucht, hinter dem Info-Button: [caption id="attachment_9518" width="600"]
Details zur Berechnung[/caption] Im Fachjargon heißt dieses Prinzip "Progressive Disclosure", aber man kann auch einfach sagen: "Kompliziertes nur zeigen, wenn es gebraucht wird". Fazit An drei kleinen Beispielen habe ich gezeigt, wie Designänderungen den Bolusrechner verbessert haben. Mit Best Practices und Usability Tests ist es uns gelungen, die Bedienung stark zu erleichtern. Erste Zahlen zeigen, dass viel mehr von euch den Bolusrechner nutzen als zuvor. Er erleichtert mehr mySugr-Nutzern die Therapie. Und das ist, was zählt. Danke für eure Unterstützung!

Gabriel Enczmann

Gabriel ist bei uns der Business Development Director für Europa. Kein Diabetiker, weiss aber mindestens genauso viel drüber wie jemand, der das Diabetes-Monster schon ewig an der Backe hat. Berufserfahrungen eben.