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Diabetes Wissen

Diabetes und Folgekomplikationen – ein Überblick

26.6.2020 von Jessica Schmidt-Herzel

Diabetes und Folgekomplikationen – ein Überblick

Über das Thema Diabetes und Folgekomplikationen spricht niemand wirklich gern. Nicht nur für Menschen mit Diabetes selber, sondern auch für Diabetesberater*innen und Ärzt*innen ist dies ein sensibles Thema, welches Feingefühl und Verständnis erfordert.

Auch wenn das Thema Folgeerkrankungen ein unangenehmes Thema ist, darüber zu reden und zu informieren ist wichtig. Denn je mehr wir darüber wissen, desto mehr können wir dafür tun, um Folgekomplikation vorzubeugen.

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Retinopathie – Diabetes kann “ins Auge gehen” 

Die Retinopathie ist eine Erkrankung der Netzhaut des Auges. 

Am besten sichtbar für den Augenarzt sind die Veränderungen an den kleinsten Blutgefäßen. Sie werden für Blut und Blutbestandteile vermehrt durchlässig und bilden Aussackungen in den Gefäßwänden den sogenannten Mikroaneurysmen. 

Das Gemeine an der Sache, die ganz frühe Phase der diabetischen Retinopathie verläuft meistens ohne Beschwerden. Sehveränderungen werden in der Anfangsphase oft noch nicht bemerkt. Also keinerlei Anzeichen, die auf die Entstehung einer Netzhautveränderung hinweist, die Vorwarnung bleibt aus. 

Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können etwaige Veränderungen an der Netzhaut aber frühzeitig entdeckt werden. Deshalb solltest du regelmäßig Besuche bei deinem Augenarzt wahrnehmen. Mehr zum Thema regelmäßige Check ups, die man als Mensch mit Diabetes wahrnehmen sollte findest du in diesem Artikel: 8 regelmäßige Diabetes Untersuchungen für Menschen mit Typ-2 Diabetes.

Eine frühe Feststellung ist wichtig, denn je früher eine Veränderung festgestellt wird, desto schneller kann behandelt werden, was die Prognose verbessert.

Es werden 2 Phasen der Retinopathie unterschieden:

1. Nicht proliferative Retinopathie: 

Bei der nicht proliferativen Retinopathie kann kann es zu feinen Auswölbungen in den Gefäßwänden kommen (Mikroaneurysmen). Platzen feine Äderchen auf, so entstehen punktförmige Einblutungen. "Nicht proliferativ" bedeutet, dass hier noch keine neugebildeten Blutgefäße wachsen. Wenn du in dieser Phase der Retinopathie bist, lässt sich diese noch gut behandeln.

2. Proliferative Retinopathie:

Unbehandelt kann der Verlauf der nicht proliferativen Retinopathie fortschreiten und das Wachstum von neuen Blutgefäßen begünstigen. Diese können im schlimmsten Fall auch in den Glaskörper hineinwachsen. Wenn diese aufplatzen und es zu Einblutungen in den Glaskörper kommt, dann beginnen die typisch milchig schleierhaften Sehstörungen.

Sollte bei dir eine Retinopathie festgestellt worden sein und dein HbA1c ist erhöht, dann solltest du  zusammen mit deinem  Diabetesteam eine langsame Absenkung der Glukosewerte anstreben. 

Dabei ist zu beachten, dass eine zu rasche Absenkung des Blutzuckers die Retinopathie sogar verschlechtern kann. Neben der Blutzuckereinstellung ist eine gute Blutdruckeinstellung (140/80 mmHg) ebenfalls sehr wichtig.

Neuropathie – Diabetes kann “auf die Nerven” gehen

Diabetes kann tierisch nerven! Wissen wir! Und auf bzw. an die Nerven gehen. Beeinträchtigungen an den Nerven können ebenfalls eine Folge von Diabetes mellitus sein. 

“Nervenleiden”, die sogenannte diabetische Neuropathie, kann sehr unangenehme und teilweise schwerwiegende Beschwerden und Folgen hervorbringen. 

Die Störungen können alle Organsysteme des Körpers betreffen, treten aber vorwiegend an den Körperteilen auf, welche am weitesten entfernt sind: den Füßen (“periphere Neuropathie”). Auch hier das Tückische, Beeinträchtigungen an den Nerven entwickeln sich meist lange unbemerkt. 

Merkmale und häufige Anzeichen einer Neuropathie: 

  • Sensibilitätsstörungen: brennende Schmerzen oder kribbeln in den betroffenen Regionen, oft als “Ameisenlaufen” bezeichnet
  • Gefühl von Pelzigkeit oder Taubheit in der betroffenen Region
  • Gestörtes Temperaturempfinden: Hitze wird nicht als schmerzhaft wahrgenommen wird
  • Taubheitsgefühl. Vergleichbar mit dem Einschlafen eines Körperteils
  • Fehlende Muskelreflexe, Muskelschwäche bis hin zum Muskelschwund
  • gestörtes Schmerzempfinden: Schmerzen ohne ersichtlichen Grund oder fehlendes Schmerzempfinden
  • Missempfindungen: z.B. Gefühl kalter Füße obwohl sie warm sind
  • Schlecht heilende Fußwunden und Geschwüre

Die Anzeichen einer Neuropathie treten meistens in den am weitesten vom Körper entfernten Gliedmaßen auf (Zehen, Füße, oder auch Finger). Im Gegensatz zu Durchblutungsstörungen sind Anzeichen einer Neuropathie im Ruhezustand stärker und verbessern sich bei Bewegung. 

Die Fußuntersuchung, die mind. 1x pro Jahr stattfinden sollte, ist hier besonders wichtig um die mögliche Entwicklung einer Nervenstörung rechtzeitig zu diagnostizieren. Hierzu verwendet das Diabetesteam ein Monofilament und/oder eine Stimmgabel um das Druck- und Schmerzempfinden zu überprüfen.

Ein vermindertes oder gar fehlendes Empfinden der betroffenen Körperteile kann Druckstellen, Blasen,  Hornhautbildung, Verletzungen, Verbrennungen oder Geschwüre verursachen, was zur bekanntesten Folge dieser Nervenschädigung führen kann: dem diabetischen Fußsyndrom. Verletzungen an den Füßen bleiben durch die fehlende Empfindung meist unbemerkt und können sich entzünden.

Die autonome Neuropathie

Die autonome diabetische Neuropathie tritt etwas seltener auf und betrifft die Nerven der inneren Organe (autonomes oder vegetatives Nervensystem). Diese Form der Neuropathie macht sich eher unspezifisch bemerkbar und betrifft zum im Organsystem zum Beispiel das Herz-Kreislauf System, den Gastrointestinaltrakt, die Haut oder den Urogenitaltrakt.

Mögliche Symptome sind:

  • Abfall des Blutdrucks mit Schwindelgefühl beim Aufstehen oder nach dem Essen
  • Blasenentleerungsstörungen, erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörungen, Sexualstörungen der Frau
  • Sodbrennen, Übelkeit, Völlegefühl auch nach wenig Nahrungsaufnahme
  • Verstopfung oder auch Durchfall, wenn der Magen-Darm-Trakt betroffen ist 
  • Erhöhte oder verringerte Schweißbildung 

Die Beschwerden sind nicht immer eindeutig und treten meistens erst nach sehr langer Diabetesdauer auf. Vielleicht hast du schonmal von der diabetischen Gastroparese gehört? Diese ist z.B eine Form der autonomen Neuropathie, die dazu führt, dass die Magenverweildauer verlängert wird und die Nahrung nicht kontrollierbar an den Dünndarm abgegeben wird. 

Nephropathie  – "Jedem Nierchen sein Plaisierchen” 

Unsere Nieren haben wertvolle, lebensnotwendige Aufgaben. Sie reinigen das Blut von Abfall- und Giftstoffe und sie gleichen den Salz- und Flüssigkeitshaushalt aus. Außerdem helfen sie auch den Blutdruck zu regulieren. 

Für die Filterfunktion besitzt die Niere Millionen kleiner Blutgefäße, die durch langjährig erhöhte Zuckerwerte geschädigt werden können. Ein früherer Marker ist zum Beispiel das Albumin im Urin. Das sind kleine Eiweißbausteine, die über die Nierenfilter ausgeschieden werden, wenn diese aufgrund langjährig erhöhter Blutzuckerwerte durchlässig geworden sind. Ist der Albuminwert erhöht, kann dies ein erstes Anzeichen für eine beginnende Nierenbeeinträchtigung sein.

Weitere Symptome: 

  • Nachlassende Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung
  • Juckreiz
  • Kopfschmerzen
  • Wassereinlagerungen, vor allem in den Beinen
  • Gewichtszunahme
  • Veränderung der Hautfarbe
  • Übelkeit, Erbrechen

Folgeerkrankungen vorbeugen

Ob im Laufe einer Diabeteserkrankung Folgeerkrankungen auftreten ist von verschiedenen Faktoren abhängig. 

Es gibt jedoch Maßnahmen, die dazu beitragen dem Eintreten (Verringerung des Risikos) oder dem Fortschreiten der verschiedenen möglichen Komplikationen vorzubeugen. 

Neben einer möglichst “stabilen und guten Einstellung” der Glukosewerte (siehe hierzu auch HbA1c & Time In Range) stehen ein rauchfreier Lebensstil und ein weitgehender Verzicht auf Alkohol an vorderster Stelle. Ebenso sollten Blutdruck und Blutfette möglichst gut eingestellt werden, um die Blutgefäße zu entlasten. 

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bei deinem Diabetesteam sind daher super wichtig und unabdingbar, um Folgeerkrankungen frühzeitig festzustellen und behandeln zu können. 

Auch wenn du bereits Symptome bei dir entdeckst, sprich auf jeden Fall mit deinem Ärzteteam darüber. Es gibt keinen Grund sich dafür zu schämen und je eher und mehr man darüber spricht, desto besser kann ein individueller Behandlungsplan entwickelt werden. 

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Jessica Schmidt-Herzel

Jessica ist mySugr Diabetescoach, staatlich anerkannte Diätassistentin und zertifizierte Diabetesberaterin DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft). Im mySugr Chat füttert sie die Leute mit diabetesrelevanten Infos und auf unserem Blog schreibt sie ansprechende Artikel für unsere Community z.B. über Diabetes und Pubertät oder die Wechseljahre.
Aber auch offline profitieren die Menschen mit Diabetes schon seit vielen Jahren von ihr: sie nimmt in einer Kinderklinik in Berlin Kinder und ihre Diabetesmonster an die Hand und gestaltet manche Sport- und Ferienaktivität für Kinder mit Diabetes mit. 
Aber nicht nur Monster zähmen, sondern auch das jährliche Halbmarathon-Training an der frischen Luft oder das Gemüseernten im eigenen Garten erfüllt sie mit großem Engagement.